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LPG Gastankflaschen Schweiz

Endlich Rechtssicherheit betreffend LPG-Anlagen in der Schweiz

Die ganz kurze Zusammenfassung: LPG-Gasanlagen können ab 1.1.2020 bei den Fahrzeugprüfungen wieder fast problemlos durch die Prüfung gelassen und im Fahrzeugausweis eingetragen werden. Allerdings muss das Dokument der gültigen Gasprüfung bei der Fahrzeugprüfung vorliegen. Man kommt also nicht darum herum, spätestens alle drei Jahre die Gasprüfung zu machen. Wird das erste Mal die LPG-Anlage angeschaut, muss ein Einbaubescheinigung vorliegen und die Anlage wird im Fahrzeugausweis eingetragen.

Und nun etwas ausführlicher. Es ist vorbei, dass man zu Hause die Gasflaschen ausbauen, zur Fahrzeugprüfung fahren und dann zu Hause die Gasflaschen wieder einbauen musste. Alle fanden dies stumpfsinnig, auch die Strassenverkehrsämter. Entweder schlossen sie die Augen und liessen gesetzeswidrig Fahrzeuge durch die Kontrolle oder sie hielten sich strickte an das Gesetz, und die Dummen waren dann die Fahrzeughalter.

Der Arbeitskreis LPG hat in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Strassen (ASTRA) einen Leitfaden für den Einbau, die Verwendung von Gastankflaschen in Wohnmobilen und Wohnanhängern (Leitfaden AK-LPG vom 03.12.2019) herausgegeben. (Leider liegt mir dieser Leitfaden noch nicht vor und öffentlich ist er leider auch noch nicht, aber ich bleibe dran.)

Gasprüfung

Die Gaskontrolle am Wohnmobil dürfen nur Kontrolleure mit geprüftem Fachwissen vornehmen. Die Liste der vom Verein Arbeitskreis LPG geprüften und zugelassenen Gaskontrolleure ist hier zu finden. Bei einer Kontrollbescheinigung ohne festgestellte Mängel werden die Vignetten mit einer Gültigkeit von 3 Jahren am Wohnmobil angebracht und eine Kontrollbescheinigung ausgestellt. Ausschlaggebend ist die entsprechende Kontrollbescheinigung, auch wenn die Vignette beschädigt ist.

Der Kontrollaufwand bei 3 Gasgeräten (Kühlschrank, Herd, Boiler) beträgt im Schnitt rund 45 – 60 Minuten. Korrekt ist die Abrechnung nach Zeitaufwand. Die unverbindliche Preisempfehlung für den Stundenansatz eines geprüften Kontrolleurs beträgt 140 Franken. Eine Gaskontrolle soll also zwischen 100 bis 140 CHF kosten.

Grundsätzlich finde ich periodische Gaskontrollen sinnvoll, ebenso sinnvoll ist es, dass man nicht selber an der Gasanlagen herumschrauben darf.

Nachträglicher Einbau

Wer nachträglich ein Fahrzeug mit Gastankfaschen ausrüstet, muss die Anforderungen nach dem UNECE-R 67 erfüllen und muss folgende Punkte nachweisen:

  • Konformitätsbescheinigung der Gastankflasche
  • Bescheinigung der geprüften Halterung
  • Einbaubescheinigung der Gastankflasche (ausschliesslich durch einen geprüften Kontrolleur mit Einbauschulung)
  • Gasprüfprotokoll nach dem Einbau der Gastankflasche

Die Behälter (Gastankflaschen) sind mit der Seriennummer, Fassungsvermögen und dem Herstellerdatum (erstmalige Prüfung) resp. des Datums der letzten Prüfung im Fahrzeugausweis mit der Ziffer 330 der asa Richtlinie Nr. 6 einzutragen.

Das ist jetzt alles etwas Beamtendeutsch, für uns Wohnmobilisten ist vor allem wichtig: In der ganzen Schweiz dürfen ab 2020 wieder Gastankflaschen bei allen Strassenverkehrsämtern vorgeführt und im Fahrzeugausweis eingetragen werden. Es muss aber eine Einbaubescheinigung eines «offiziell gelisteten Gastankeinbauer» und eine gültige Gaskontrolle vorliegen. Die Liste dieser offiziellen Gastankeinbauer ist hier verfügbar.

Diese Liste von geprüften Personen ist momentan noch ziemlich klein, wird aber laufend grösser, sobald weitere Personen diese neuen Kurse absolviert haben.

Warum müssen LPG-Anlagen im Fahrzeugausweis eingetragen werden? Weil Flüssiggasbehälter, die in einem Fahrzeug fest eingebaut sind, im Fahrzeugausweis eingetragen werden müssen... Diskussion überflüssig ;-)

Was passiert mit alten eingebauten LPG-Gasanlagen? Die können bei einem offiziellen Gastankeinbauer getestet werden und bekommen dann das Zertifikat oder nicht. Allerdings laufen da noch einige Abklärungen und ich habe noch nicht die allerletzten Infos zusammen. Folgt aber sobald, ich das habe.

Meine Meinung

Die ganze Regelung ist ja gar nicht so schlecht und irgendwie sinnvoll. Einfach schade, dass in den letzten zwei Jahren in der Schweiz ein so grosses Durcheinander gab und keiner richtig wusste, was genau gilt. Alles kam daher, dass bei einer Gesetzesänderung die Wohnmobile mit fest eingebauten Gasflaschen schlicht und einfach vergessen wurden und man nur an die Fahrzeuge dachte, die Gas für den Antrieb brauchen. Es dauerte aber volle zwei Jahre, bis man dies nun endlich korrigierte.

Etwas einen fahlen Beigeschmack hinterlässt das ganze auch, dass die Wohnmobilbranche selber solche Einbaukurse organisiert und bezahlen lässt, der Arbeitskreis LPG Richtlinien erfasst und so die Kursabsolventen als «Offizielle» zertifiziert und ihnen mit den Richtlinien zur Gasprüfung wieder Arbeit zuschanzt. Irgendwie dreht sich da alles im Kreis und jeder verdient Geld daran. Und am Schluss bezahlen die Wohnmobilisten. Aber immerhin soll es so ja auch mehr Sicherheit geben, und da sollte man nicht motzen.

Aber wer kontrolliert z.B. Solarpanels auf dem Dach oder die Sat-Anlage? Was ist, wenn es die runter weht? Was ist mit einem zertifizierten Kurs für fahrradaufdemStändermontieren? Schliesslich fallen mehr Fahrräder runter und verursachen Unfälle auf Autobahnen, wie Womos die wegen falsch montierten Gasleitungen explodieren. Aber eben, Gas tönt nach Gefahr und da kann man eben auch ein bisschen mehr Geld verlangen.


Externe Links

6.2.2020 - Lieber Rolf, - dein neuester Beitrag über dieses Thema ist wieder in gewohnter Weise informativ und gut fundiert. - Super! - Gruss, Michael

- Michael


7.2.2020 - Lieber Rolf, Herzlichen Dank für Deinen Artikel. Wir müssen in 2020 unsere Gastank-Anlage prüfen und eintragen lassen. Ein Lichtblick! Mir fällt auf dass die Garage Staub (unser Prüfer und Einbauer) gar nicht auf der Liste ist. Weisst Du warum? Danke für all Deine Mühen für uns alle.

- Adolf Stoll


7.2.2020 - Hallo Adolf, Garage Staub wird den Einbauerkurs erst diesen April machen können. Da alles so schnell ging, wurden nicht alle Händler gleichzeitig informiert und die Kurse waren sofort ausgebucht.

Rolf


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