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Norwegen 2018
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Lewis und Harris

unsere neue Lieblingsinsel

Nur zum Verständnis, Lewis und Harris ist eine einzige Insel, die einen Doppelnahmen trägt. Harris ist der bergige südliche Teil, Lewis der flache nördliche. Die Insel gehört zu den Äusseren Hebriden.

Wir erwachen auf Harris bei Regen. Die Hügel sind Nebel verhangen und es sieht trist aus. Aber wir machen uns trotzdem auf den Weg, denn die Strasse gestern im Dunkeln lässt vermuten, dass es wunderschön ist. Wir versuchen, zwischen zwei Regenschauern zu bleiben, wenn wir zu schnell fahren, kommen wir in den Regen, wenn wir zu lange Pausen machen, ebenfalls. Also schauen wir, dass wir dazwischen bleiben und manchmal erspähen wir sogar etwas Sonnenschein.

Norse Mill and Kiln

Wir fahren auf schönen Strassen durch die Berge, keine Bäume, keine Sträucher, nur Gras, Felsen und Moos. Und ganz viele Seen, nicht ein einziger Blick gelingt, ohne irgendwo einen See zu sehen, erst recht nicht, auf einem Aussichtspunkt. Die Landschaft mutet sich wunderschön an und wir geniessen die Fahrt auch ohne Sonnenschein. Hin und wieder stoppen wir und machen Fotos, jeder Stopp könnte auch ein potenzieller Übernachtungsplatz sein. Es gibt wenige Ortschaften, wenige Leute und noch weniger Verkehr. Wir sind schon jetzt verliebt, obwohl wir noch nicht gerade Traum Wetter haben. (kommt aber noch).

So fahren wir gemächlich ohne Stress immer weiter, so lange, bis wir in Calanais Standing Stones & Visitor Centre ankommen. Hier ist so etwas wie das Zentrum der Inselsehenswürdigkeiten. Es gibt nämlich zwölf Steinkreise nur schon in dieser näheren Umgebung. Und beim Visitor Center steht der grösste, Caldragh Idols. Es ist nicht wirklich ein Kreis, sondern ein Kreuz, das vor 5’000 Jahren errichtet wurde. Das Kreuz stammt aus der Zeit vor dem Stonehenge Denkmal und war mindestens 2000 Jahre lang ein wichtiger Ort für rituelle Aktivitäten. Es gibt insgesamt fast 50 stehende Steine (die genaue Anzahl konnte ich nicht herausfinden) die bis zu 3m hoch sind. Es sieht toll aus, ja wenn nicht der Reisecar hier wäre und dessen Reiseführerin in französisch genau im Zentrum den Carinsassen den Steinkreis erklären würde. Alle stehen da im Zentrum, niemand kann ein schlaues Foto machen und die Leute merken es einfach nicht. Na gut, wir warten. Dann endlich, endlich ist sie fertig und die Leute verlassen den Kreis. So treten wir rein und machen mal ein paar Fotos. Und dann der Hammer: eine Insassin beschwert sich, dass wir im Weg stehen, sie würde gerne ein Foto ohne Leute machen. Äh, hat die nicht begriffen, dass wir rund 20 Minuten auf sie warten mussten? Ich koche innerlich, verstehe zum Glück heute weder französisch noch englisch und sehe mich weiter um. Wenigstens zwei Minuten kann die Französin jetzt auch warten.

Wir bleiben danach noch eine weitere halbe Stunde und lassen die Steine auf uns wirken, schauen den Leuten vom nächsten Reisebus an und machen unsere Gedanken. Menschen in Gruppen sind schon wirklich dumm, da ist eine Herde Schafe wahrscheinlich intelligenter.

Danach fahren wir mit unserem Womo zwei Kilometer zurück und besichtigen die Steinkreise zwei und drei. Wichtigstes Utensil dabei: unsere Gummistiefel. Die leisten heute gute Dienste, die Gegend ist von den Regefällen aufgeweicht zu der sonst schon moorigen Landschaft. Zwischen den beiden Kreisen betätige ich mich noch als Tierfotograf von wilden Bestien…

Wildtierfotografie

Das Wetter wird langsam besser und so fahren wir weiter Richtung nördlichster Spitz der Insel. Es ist eine traumhafte Fahrt, super Landschaft, super Licht, blauer Himmel. Sogar die Sonnenbrillen müssen wir seit längerem wieder suchen. Und dann sind wir beim Butt of Lewis Lighthouse, bei schönstem Wetter und einer grandiosen Brandung. Wir könnten wieder schreien vor Glück.

Butt of Lewis Lighthouse

Auf dem Rückweg besichtigen wir noch Steinkreis Nr. vier heute (in Schottland gibt es übrigens 508 Steinkreise) und dann fahren wir bei strömenden Regen in die Hauptstadt der Insel, Stornoway. Eigentlich sollte dort um 7 Uhr in der früh unsere Fähre zurück nach Nordschottland führen, aber ob die Fähre ablegt, ist noch nicht sicher. Es sind starke Windstärken vorausgesagt und die Fährgesellschaft entscheidet morgen früh, ob sie ablegt oder nicht. Wir werden es sehen.

183km regnerisch bis leicht bewölkt, 11 - 20 Grad

Übernachtung

Isle of Lewis - Melbost beach car park**
Parkplatz Koordinaten: 58.20647,-6.294941
N 58° 12' 23.3"  E -6° 17' 41.8"
letzter Besuch: 9.2023