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Anita Ostfriesland 2012
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Liebe EU

warum darf ich in Kürze nur noch mit einem Vollintegrierten eine europäische Städtetour machen?

Ich schreibe ihrem Verein aus persönlichen Gründen und auch, obwohl ich nicht mal Mitglied bin. Aber immerhin, ich kenne ihren Verein und habe auch schon das Vereinslokal in Brüssel von aussen angeschaut. Aber genau da drückt mich der Schuh. Ich reise mit einem Wohnmobil in ihrem Einzugsgebiet umher, dieses Gebiet verlasse ich eigentlich nur selten. Ok, letzthin waren wir in Marokko und auch schon in Norwegen, aber das macht euch ja sicher nichts aus. Auch wenn dort die grossen Schilder bei den neuen Autobahnen völlig fehlen, nicht so wie in Griechenland, die überall mit stolz beschriftet sind. Was darauf steht? „Bezahlt von der EU“. Ob das jetzt nötig ist oder nicht, kann ich als Nichtmitglied natürlich nicht entscheiden. 

Ich bin jetzt abgeschweift, zurück zu meinem Besuch in Brüssel. Wenn ich jetzt dieses Gebäude nochmals besuchen will, muss ich mit meinem Wohnmobil eine Umweltplakette aus Belgien bestellen und auch bezahlen. Irgendwie ja kein Problem. Aber will ich jetzt noch in Antwerpen den „Grote Markt“ besuchen, muss ich mich vorher informieren, ob diese Plakette dort auch Gültigkeit hat. Fahre ich weiter und will den Eiffelturm sehen, muss ich für Frankreich nochmals eine andere Plakette kaufen, die mir bestätigt, dass ich ein Fahrzeug mit Euro 5 Motor habe. Ist ja auch nicht schlimm. Fahre ich aber auf dem Rückweg durch Deutschland, gehe in Stuttgart eine Pizza essen, brauche ich schon wieder eine Plakette. Diese hat nun eine andere Farbe und ist ganz minim teurer wie die aus dem Land des Napoleons. Aber: ich habe immer noch das gleiche Fahrzeug mit dem gleichen Euro 5 Motor: meine Abgase sind in Belgien, Frankreich und Deutschland identisch hoch. Amtlich bestätigt mit der Plakette. Und ich habe die Vermutung, dass die Abgase auch in Rom, Athen, Zürich, Wien und Oslo ziemlich genau gleich hoch sind; auch wenn das dort nicht amtlich bestätigt wurde.

Der Polizeibeamte in Wien könnte also schauen, ob ich eine französische, belgische oder deutsche Plakette habe und er wüsste sofort, wie dreckig mein Wohnmobil ist. Ich meine die Abgase des Motors, nicht die Sauberkeit des Innenraums. Wenn nun aber die Carabinieri, die Guardia Civil oder gar die Landjäger in Appenzell wissen wollen, wie dreckig mein Auto ist. Darf er dann auf die schon an der Windschutzscheibe klebenden ausländischen Plaketten schauen? Oder muss er eine eigene kreieren, damit es auch amtlich ist? Wenn das Zweite gilt, gibt es in kürze noch andere 25 Plaketten, dazu kommen noch das eine oder andere Pickerl, Vignette oder wie sie alle heissen. Und wenn ich dann noch die Verkehrsverordnung der einzelnen Länder einhalten muss, die alle geregelt haben, dass man freie Sicht nach vorne haben muss, bin ich mit meiner TI-Frontscheibe am Limit. Dann brauche ich einen Vollintegrierten, die haben den tollen Vorteil, dass alle Plaketten auf der Frontscheibe Platz haben. 

Alles eigentlich eine gute Sache. Aber mal ganz ehrlich: mein Motor, der in der EU gebaut wurde und dadurch in eurem Verein schon registriert ist, könnte der nicht einfach mit EINER Plakette ausgeliefert werden? Eine Plakette, wo mein Schadstoffaustoss drauf steht. Und falls diese Plakette rund, eckig oder sonst eine Form hat, man könnte sie trotzdem auf die Scheibe kleben? Es wäre ja nicht mal nötig, da der Motor schon registriert ist, aber den Klebevorgang auf die Windschutzscheibe würde ich jetzt echt noch machen. Aber eine einzige Plakette pro Fahrzeug würde doch reichen oder? Der Schadstoffausstoss ist doch in jedem Land dieselbe? Eine Plakette für alle Länder? Wäre doch schlauer, als einen Haufen Plaketten, wo überall das gleiche draufsteht, sie aber andere Formen und Farben haben? Ihr seid doch genau dafür da, um in Europa alles einheitlich zu machen!

Ist doch bei der Autonummer genau das gleiche: wenn ich eine Schweizer Nummernschild habe, dann weiss der deutsche Polizist, dass mein Auto versichert ist, der Italiener, Norweger und Finne weiss es übrigens auch. Sogar der Marokkaner und wenn es sein muss der Kolumbier. Ich muss doch nicht für jedes Land eine anderes Nummernschild montieren, aber genau so wäre es, wenn wir das mit den Plaketten auf das Nummernschild übertragen würden...

Ich weiss, ich darf nicht reklamieren, denn ich bin ja nicht Mitglied. Obwohl, wenn ich bedenke, dass ich pro Jahr dennoch einen freiwilligen Beitrag von ca. 168 CHF an euch bezahle (mit meinem Schatz und unseren Kindern macht das übrigens schon 1176 CHF) und nicht mal mitreden darf, darf ich dann wenigstens Denkanstösse liefern?

Grüsse aus einer EU Insel

Rolf

4.2.2018 - Lieber Eidgenosse, servus Rolf! als überzeugter, aber durchaus kritischer Europäer verstehe ich deinen Unmut nicht ganz. Wir sind auch immer wieder in aller Herren Länder wunderschönen Städten unterwegs. Wir müssen aber nicht bis kurz vor dem Eifelturm parken, da gibt es andere Möglichkeiten und gute Stellplätze mit tollen Anbindungen in die Stadt. Wir sind mit unseren E-Bikes da immer gut vorangekommen... Ja und unsere Brummer sind nun mal auch kleine Stinker, ich hab mich schon über so manchen Wohnmobilisten geärgert, der glaubt die Stadt gehört ihm. Sorry, das mußte ich einfach loswerden :) LG in die wunderschöne Schweiz Richard

Richard Herzog


4.2.2018 - Ich teile die Meinung von Richard Herzog. Ein Wohnmobil ist und bleibt ein sperriges Fahrzeug. Man kann weder erwarten noch die Forderung stellen, überall und jederzeit parken bzw. quer durch jede (Gross)Stadt kurven zu können oder dürfen. Andernfalls ermangelt es an realistischer Selbsterkenntnis.

- Renate Hovald


4.2.2018 - Es geht hier weder um die Grösse noch um Parkplätze. Die Plakette wird verteilt anhand des Schadstoffausstosses und nicht wegen der Grösse. Es wird jetzt schon in Frankreich begonnen, ganze Gegenden temporär unter die Plakettenpflicht zu stellen, unabhängig von Grosstädten. Ich wehre mich auch nicht dagegen, dass Womos in Städten verboten werden, es ist einfach ein Witz, dass derselbe Motor in jedem Land verschieden auf einer Scheibe gekennzeichnet werden muss. Es ist immer dasselbe drin, also reicht doch eine Plakette ;-) (ich muss ja auch nicht für jedes Land eine andere Autonummer montieren, nur damit die sehen, dass ich eine Versicherung habe)

- Rolf


4.2.2018 - Hallo, also ich teile die Meinung von Rolf uneingeschränkt! Es ist doch wirklich ein Schritt hin zurück zum Mittelalter, das jedes Land, teilweise schon einzelne Regionen meinen eigene Vorschriften erheben zu müssen. Wie von Rolf angesprochen, grundsätzlich habe ich auch gar nichts gegen eine einheitliche Vorschrift bzw. Plakette in der EU. Wo soll das den hinführen, wenn jedes Land, teilweise jede Stadt/Region (Belgien/Frankreich) eigene Vorschriften/Vignetten erlässt? Ich als Tourist verliere doch jegliche Übersicht, wenn ich bspw. schon in so einem recht kleinen Land wie Belgien mehrere verschiedene Plaketten brauche. Klar, ich kann mich vorab informieren, aber ganz ehrlich, dies ist doch nicht das, was ich als Bürger in einer europäischen Union erwarte. Realistisch gesehen wird es jedoch noch unübersichtlicher werden. Dieser Tage stand in der Zeitung, dass Dänemark das geplante deutsche Mautsystem unterstütze, da man gerade auch ein eigenes System plane...

Rudi


4.2.2018 - Lieber Rolf Danke für diesen Kommentar. Du schreibst genau das, was wir alle schon lange denken. Mein Mann hat zwar in weiser Voraussicht den französischen Kleber am Seitenfenster hingeklebt, aber auch in der Unwissenheit, dass das wiederum eine Busse geben kann, weil der automatische Leser den ja gar nicht sieht. Wir haben ja nebst der Autobahnvignette und dem deutschen Kleber auch noch den FrancePassion und für die Schweizer Bauernhöfe, ein Bip&Go und sein italienisches Pendant usw. Irgendwann ist dann sogar die Scheibe eines Vollintegrierten zu. Ich verstehe die EU definitiv auch nicht, dass Sie zwar Gurken normieren aber diesen Kleberwahnsinn zulassen. Wenn ich die beiden Kommentare von Richard und Renate lese, scheint es mir, dass sie etwas anderes gelesen haben, als da steht.

- Christina Hertig


11.2.2018 - Für alle die das nicht verstehen, ihr wollt doch auch mit eurem PKW in die Stadt fahren, da benötigt ihr ebenso eine Umweltplakette. Wenn also jemand eine kleine Reise mit dem Auto unternimmt und dabei drei, vier Städte zum Beispiel in Belgien besuchen will, dann darf er sich ebenso die Frontscheibe zu pflastern. Das ganze Thema betrifft alle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren.

Michel


1.3.2018 - Danke für diesen Beitrag. Es ist wirklich ein Wahnsinn! Geht in die gleiche Richtung wie das Problem. dass die Gasflaschenanschlüsse nicht genormt sind. Innerhalb der EU. Lustigerweise konnte ich die türkische Gasflasche ohne Weiteres mit meinem Anschluss verbinden...

- Lisa


2.3.2018 - Ich sehe es genau so wie Rolf: ein einziger Kleber sollte genügen. Ich gebe auch denjenigen recht die shreiben, dass man ja nicht mit dem WoMo mitten in die Stadt rein muss. Aber es ist zu beachten, dass die Zufahrt zu Stellplätzen teilweise durch Schutzzonen führen, und zudem - wie Rolf auch schreibt - diese Zonen sich zunehmend nicht mehr nur auf die Stadtkerne beziehen. Die Zonen weden immer grösser. Bis hin zum Dieselvebot in Deutschland?

Hans Nussbaumer


5.3.2018 - Guter Artikel als Kommunikations Anregung. Immer im Auge behalten das viele Regeln der EU eine Anfrage eines Landes oder Interessen Gruppen als Grundlage haben, dazu kommen die Blockaden einzelner Länder (deren Regierungen). Das Resultat sind dann diese Einzellösungen, die Verschlampung der Emissions Normen wird uns noch eine Menge an Überaschungen bescheren. Und, wir sind die Wähler unserer Regierungen. Mit freundlichen Grüßen, tony

tony


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