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Falun Schweden 2018
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Al Rocio

Westernstadt in Andalusien

Bei schönstem Sonnenschein frühstücken wir vor dem Womo. Endlich nehmen wir auch mal den Camping-Tisch hervor und sitzen so vor dem Womo. Es gibt 3-Min-Eier, Orangesaft, Brot, Fleisch, Käse, Honig, so richtig gediegen. Wir haben es nicht eilig, wollen wir doch heute den ganzen Tag auf dem Stellplatz der Überwinterer bleiben und einfach den Tag geniessen.

Nach dem Frühstück sitzen wir noch am Tisch, als ein paar Wolken aufziehen. Es wird sofort merklich kühler und Anita murmelt vor sich hin: Sollen wir wirklich hier bleiben?

20 Sekunden später sind wir am zusammenräumen, Ver- und Entsorgen und machen unser Knutschi abfahrbereit. Was sollen wir denn überhaupt hier? Kein Meerblick, keine Sehenswürdigkeit, keine Sonne. Wir entschliessen, nach Spanien zu fahren und die Algarven hinter uns zu lassen.

Algarven

Jetzt mal ganz ehrlich: sind die Algarven wirklich ein Wohnmobilparadis? Ausser schöner Küste und warmen Wetter fanden wir noch nicht wirklich etwas Spannendes hier. Die Stellplätze und/oder Campingplätze sind sehr selten direkt am Meer und haben dann keine Meersicht, freies Stehen wird nicht toleriert, Wohnmobilverbotstafeln prägen die Parkplätze. Da hat uns im Norden der Iberischen Halbinsel besser gefallen. Und überhaupt, für Wohnmobilisten fanden wir es in Spanien weitaus entspannter wie in Portugal.

Dieses entspannte Gefühl überkommt uns wieder, als wir nach 65km die Algarven und damit Portugal über die Puente Internacional del Guadiana (einer der wirklich ganz schönen Brücken) verlassen und die Grenze nach Andalusien überqueren. Wir wissen nicht so recht warum, aber wir sind eher Spanier wie Portugiesen. Ob es wegen der Sprache ist und wir in Spanisch viel mehr verstehen?

Egal, wir fahren in Huelva ab der Autobahn, tanken unser Knutschi mit günstigerem Diesel voll und fahren Richtung Meer. Ab hier ist Kolumbus mit seinen drei Schiffen in die neue Welt aufgebrochen. Wir bleiben an Land und fahren auf der A494 hinter den Sanddünen parallel zum Meer. Die Strasse ist viel besser als erwartet, darum kommen wir auch viel schneller vorwärts und so bleibt Zeit, einen Abstecher nach Matalascañas zu machen. Das Feriendorf ist ausgestorben, der Stellplatz am Meer nicht das, was wir uns vorstellen, also drehen wir wieder um und fahren Richtung Landesinnere.

El Rocío.

20km später erreichen wir El Rocío. Diese Stadt mit ca. 800 Einwohner sieht aus wie eine verlassene Westernstadt. Sie hat zum Beispiel keine asphaltierten Strassen, nur Sandpisten und vor jedem Haus gibt es eine Stange, wo man sein Pferd anbinden kann. In der Ermita del Rocío wird die Heilige Jungfrau verehrt. An Pfingsten kommen bis zu einer Million Pilger an diese Zeremonie, wenn die Jungfrau durch die Stadt getragen wird.


Wir sind von diesem Städtchen sofort gefesselt, es sieht echt toll aus und auch jetzt im November sind die Häuser weiss herausgeputzt und man fühlt sich um 100 Jahre zurückversetzt. Es sieht wirklich auch wie eine herausgeputzte Westernstadt, nur die Pferde vor den Häusern fehlen (im Gegensatz zu den vierpneuigen Pferdestärken). Die Kirche und der Platz davor sehen einfach gewaltig aus, der besondere Reiz sind wirklich auch die fehlenden Asphaltstrassen. Im Innern der Kirche ist sehr viel Gold verwendet worden und sieht toll aus, nur die Heilige Jungfrau ist wohl grad im Ausgang, denn sie steht nicht an ihrem Platz im Kirchenschiff.

Vor der Kirche genehmigen wir uns in einem der wenigen Restaurants etwas zu essen und fragen danach den Parkwächter, ob man hier übernachten darf. Er verneint und schickt uns zum Campingplatz etwa einen halben Kilometer weiter. Auf dessen Webseite war markiert, dass er erst ab dem Frühling öffnet aber anscheinend hat er nun das ganze Jahr geöffnet. Also lassen wir die grossen Parkplätze aus (jeder kostet 1€ in der ganzen Stadt) und fahren zum Campingplatz.

Wir sind fast die einzigen Gäste, aber das macht uns ja nichts aus. Sollen wir Abends nochmals in die Stadt laufen?

Anita bereitet nun noch unseren Znacht vor, es gibt heute im wilden Westen Fondue! 

Übernachtung

El Rocio - Camping La Aldea***
Camping

ganzjährig geöffnet

Koordinaten: 37.1417795,-6.49039
letzter Besuch: 11.2021

24.11.2021 - Hallo zusammen, Ich habe mir lange überlegt, ob ich einen Kommentar schreiben soll. Beim lesen eures Reisetagebuches bekomme ich den Eindruck, dass ihr wie vom Teufel gejagt durch Portugal gerast seid. Keine Musse, kein Verweilen und Innehalten! Unwohlsein und schlechte Gefühle kommen zum Ausdruck. Ist es, weil ihr eigentlich ein anderes Ziel hattet und deshalb nicht die gleiche Vorbereitung wie bei euren anderen Reisen stattgefunden hat? Ich wünsche euch eine geruhsame Weiterreise mit Genussmomenten, kein Stress! Lasst die gehetzten Derwische in euch zur Ruhe kommen. Vielen Dank aber auch für die schönen Fotos und euer Engagement für die Wohnmobilisten. Mit freundlichen Grüssen Susanne

Susanne


24.11.2021 - Hallo Susanne, danke für dein Mail. Keine Angst, wir haben überhaupt keine schlechten Gefühle. Allerdings stimmt es, dass wir jeden Tag weiter gereist sind, aber da wir nicht unbeschränkt Zeit haben und bald wieder arbeiten müssen, bleibt die Musse und das Trödeln dieses Mal auf der Strecke. Das wussten wir aber vorher schon, und von daher leider nichts zu ändern. Gruss aus Tarifa

Rolf


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