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Finnland 2014
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Reisebericht

Zweimal Gustav Eiffel 2.11.2021

Wir sind unterwegs Richtung Spanien

Eiffelturm und Viadukt vom gleichen Erbauer

Wir fahren um 9 Uhr in Bern Richtung Westen weg. Auf dem Rastplatz Gurbrü kurz nach Bern entorgen wir noch den Inhalt des Grauwassertankes. Da kommt mir die Galle hoch. Es ist ein perfekter, kostenloser Ent-/Versorgungsplatz, aber ein Idiot von Wohnmobilfahrer war zu faul, um die seine leere Chemitabs-Dose 20m weiter in den Abfallkorb zu werfen. Er hat sie einfach hinter der Entsorgungsstation in der Wiese deponiert. Jeder Bauarbeiter weiss, dass dies ein Womofahrer war. Warum müssen solche Idioten einfach immer alles unternehmen, damit solche Stationen dann wieder geschlossen werden? Ich schmeisse die Dose in den Abfall und rege mich weiterhin fürchterlich auf.

Entsorgung Gurbrü

Dem Genfersee entlang Richtung Frankreich beruhige ich mich dann wieder, der Grenzübertritt zu den Nachbarn wird nicht kontrolliert und so cruisen wir immer weiter. Wir fahren über Lyon nach Clermont Ferrand. Der Puy de Domes ist im Nebel, auch alle andern Vulkanhügel sind grau umschlungen. Es bringt nichts, wenn wir hier einen Halt einlegen, die Fotos werden nicht besser, wie bei unserem letzten Besuch hier. Also fahren wir weiter und stoppen in Saint-Flour vor dem Garabit-Viadukt. Diese Eisenbahnbrücke wurde von 1880 bis 1888 von Gustav Eiffel gebaut und war während 25 Jahren die weltweit höchste Eisenbahnbrücke. (Der Eiffelturm wurde von 1887 bis 89 gebaut, Gustav musste also an zwei Orten gleichzeitig sein…)

Viaduc de Garabit

Das Bauwerk ist wirklich imposant und wäre nachts schön beleuchtet, aber weil es in Strömen schifft, als wir hier ankommen und es nicht wirklich tolle Fotos gibt, fahren wir schweren Herzens weiter. Aber wir stellen unser Knutschi so hin, dass der Eifelturm und das Viadukt beide zu sehen sind, wahrscheinlich eine Seltenheit

140 km bezahlen wir die 13,60 € für die Passage des Viadukts de Millau. Aber es ist grad dunkel geworden, als wir auf den Rastplatz fahren, also auch keine schönen Fotos mehr. Schade.

besser habe ich es noch nicht hingekriegt

Wir beschliessen, hier zu übernachten und auf die Sonne zu warten, Anita kocht noch schnell Teigwaren, ich schreibe den Blog. Es ist tote Hose auf der Raststätte um diese Zeit und darum werden wir hier sicher gut bei der Entsorgungsstation schlafen.


Mautgebühren in Frankreich bisher:  69,90 € (Banditen...)
Gefahrenen Kilometer: 712 km
Durchschnittsverbrauch: 11,2 Liter

Übernachtung

Millau - Rastplatz Viadukt de Millau***
Parkplatz

erlaubt mit Ensorgung und Toilette, kostenlos

Koordinaten: 44.094611401953536,3.0221194099629503
letzter Besuch: 11.2021

Vom Viaduc de Millau nach Andorra 3.11.2021

Es ist unser 27. Womoland

Nachdem Anita diese Nacht 12 Stunden lang schläft (Nachwehungen vom Caravan Salon in Bern) sind wir etwas nach 8 Uhr wach und machen uns mit Fotoapparaten bewaffnet auf Erkundungstour. Auf dem Rastplatz ist noch nichts los, das kleine Infozentrum zur Brücke öffnet erst um 10 Uhr. 

Von den Aussichtspunkten machen wir Fotos und passen bei sehr wechselhaften Lichtverhältnissen jeweils den besten Moment ab. Das Viaduc de Millau ist wirklich imposant und mit seinen 2460m die längste Schrägseilbrücke der Welt, mit 343m Höhe auch das höchste Bauwerk in Frankreich. Irgendwie können wir uns nicht richtig sattsehen, machen dann aber doch noch einen Rundgang im kleinen InfoCenter. Hier wird vor allem der Bau gezeigt, wie die Fahrbahn über die Pfeiler geschoben wurde, die Pylonen aufgestellt und befestigt wurden, etc. etc. 

Danach entsorgen wir auf der ziemlich dreckigen Entsorgungsstelle, machen unsere Dashcam an und fahren die knapp 3km über die Brücke. Da die Brücke eine leichte Kurve aufweist, wäre die Fahrt von Süden Richtung Norden etwas spektakulärer, wie die Richtung, die wir nun fahren.

Bei der nächsten Ausfahrt zweigen wir ab und fahren die D999 nach Albi. Diese Strecke ist einer der schöneren, die wir schon erleben durften. Berg hoch und runter, eine Kurve an der anderen, aber mit toller Weitsicht, vielem farbigen Mischwald, guter Ausbau und vielen kleineren Rastplätzen. Hierher müssen wir unbedingt mal zurückkehren, wenn wir in Frankreich sind. Wir könnten in jedem Dorf, auf jeder Kuppe stoppen und Fotos machen. Aber wir wollen nach Spanien und nicht Frankreich bereisen. Nur in Saint Affrique stoppen wir kurz und gehen einkaufen.

Einkauf

Danach fahren wir wieder auf der Autobahn an Toulouse vorbei, bis wir dann endgültig Richtung Andorra und die Pyrenäen abzweigen. Ab jetzt geht es kurvig den Tälern entlang, immer leicht steigend. Das Wetter ändert dauernd, nach geschätzte zehn Regengüsse und drei Regenbogen wird es steiler und kälter. Das Thermometer zeigt -1 Grad an, als wir auf 2000m den Zoll zu Andorra passieren. Da es nun auch wieder nieselt, nehmen wir für 12 €uro den Tunnel in Pas de la Casa und fahren nicht noch höher über den Pass. Da wir leider noch Sommerpneus montiert haben (ich weiss, unverantwortlich, aber wir hatten einfach keine Zeit mehr) wollen wir nicht riskieren, dass plötzlich weiter oben die Strassen schneebedeckt sind.

die Berge hoch auf 2000m

Nach dem Tunnel geht es wieder bergab, steil bergab. Irgendwie hatte ich von meiner Velokarriere Andorra nicht so bergig in Erinnerung, wie es nun wirklich aussieht. Macht aber nichts, in Encamp sehen wir links oben plötzlich ein paar Womos auf einem Parkplatz, also stellen wir den Blinker und fahren dort auf den Platz. Es gibt sogar eine Entsorgungsstation, allerdings ist das Parkieren ziemlich teuer, pro Stunde 3 €, bei 12 – 24 Stunden macht das insgesamt 36 Euros. Andorra hat ja nicht gerade viele ebene Flächen, und von daher ist der Preis gerechtfertigt. Morgen werden wir noch günstig tanken (1.18€) und dann endlich in Spanien ankommen und etwas weniger fahren müssen.

Wir sind in Andorra

Wenn mich jetzt jemand fragen würde, ob man Andorra gesehen haben muss, würde ich Nein sagen. Schon als Rennfahrer hat mir Andorra la Vella keinen bleibenden Eindruck hinterlassen, und die Fahrt heute auch noch nicht wirklich. Die Schweizer Berge sind mit mehr Style verbaut als hier, wo einfach scheussliche Hotelkomplexe die Wintertouristen anlocken.

Vielleicht überrascht mich das kleine Land morgen noch, die heutige Chance hat es vertan.

Übernachtung

Encamp - Aparcamiento***
Stellplatz

Parkplatz mit Entsorgung, genug Platz, aber teuer

Koordinaten: 42.53259,1.578363
letzter Besuch: 11.2021

Gestrandet auf der N-260 4.11.2021

In den Pyrenäen geht es nicht mehr weiter

Nach einer etwas unruhigen und kalten Nacht (morgens um 8 Uhr ist es 0 Grad), sind wir froh, als wir gegen 9 Uhr bereit sind, aus dem Schattenloch Andorra Richtung Spanien abzufahren. Wir füllen noch unseren Dieseltank proppenvoll, für aktuell 1.18 € kann man da nicht viel sagen. Da wir aber weder Alkohol noch Zigaretten brauchen, gehen wir nicht mehr einkaufen.

Am spanischen Zoll werden wir in die extra Spur der Wohnmobile eingewiesen, wo uns dann der Zöllner nach eben diesen Waren fragt und unsere Garage sehen will. Die sieht aktuell aber so leer aus, dass er gleich abwinkt und uns durchlässt. Kaum sind wir auf spanischen Boden, fahren wir aus dem Schatten der Berge und wir werden mit voller Kraft von der Sonne beschienen.

Unser Ziel ist die N-260, es soll die schönste Strasse entlang der Pyrenäen sein, je nach Webseite ist es die spektakulärste, gefährlichste, schönste oder bergigste. Wir sind gespannt. Unser Ziel ist der Stellplatz in Ainsa, 220km durch die Berge, alles auf der N-260.

Nach wenigen Kilometern auf der Hauptstrasse biegen wir in La Seul d’Urgell auf diese Strasse und etwas später nach dem Flughafen geht es in Ardall nochmals rechts weg und schlagartig ändert sich das Bild. Keine Autos, rote Felslandschaften und steil den Berg hoch.

Es geht hoch und höher, die Strasse ist sehr gut ausgebaut, die Landschaft einfach top! Wir sind schon nach wenigen Kilometern begeistert, farbige Wälder, hohe Berge, gute Strasse und viele Aussichtspunkte und Rastparkplätze. Wir kommen nicht vorwärts, müssen immer wieder stoppen und einfach geniessen. Manchmal wähnen wir uns in Amerika, dann wieder Kanada, einfach nur herrlich.

Verkehr hat es keinen mehr, dafür Kurve an Kurve. Der blaue Himmel, gelb-rote Bäume, strahlende Sonne, weisse Berggipfel! Einfach unglaublich.

Wir fahren immer auf dieser N-260, jeder Kilometer ist beschriftet, kein einziges Täfelchen fehlt. Gestartet sind wir bei KM 230, fünf Pässe später stehen wir etwas bei KM 390, wo unsere Reise abrupt endet.

Die Fahrt ist echt wunderschön und sehr eindrücklich, wir sind einfach nur begeistert und machen hunderte von Fotos. Als wir von der Provinz Katalonien die Grenze zu Aragon überschreiten, merken wir, dass hier weniger Geld zur Verfügung steht. Die Strasse wird schmaler, älter und weniger ausgebaut. Der Faszination gibt das aber keinen Abbruch.

Kurz nach Castejón de Sos am Kreisel sind plötzlich alle Wegweiser nach Campo verhüllt. Ein schlechtes Zeichen. Zwei Kilometer später prangt eine grosse Einbahntafel auf der Strasse und ein spanischer Arbeiter erklärt uns, dass hier Ende ist. Die Strasse nach Campo ist wegen Bauarbeiten geschlossen. Wo wir denn jetzt durchfahren müssen, fragen wir ihn und er zählt uns der Reihe nach etwa 10 Ortschaften auf. Wir können keine einzige behalten, drehen unser Knutschi um und fahren auf den nächsten Parkplatz. Auf Google-Map sehen wir, dass wir ziemlich am Arsch der Welt sind, wenn diese Strasse geschlossen ist. Alles rundherum Sackgassen, entweder wieder 50km zurück und 300km Umweg über Frankreich oder sonst irgendwas, aber sicher nicht an unser Etappenziel…

Am Kreisel mit den verhüllten Wegweisern sichten wir ein kleines Signet zu einem Stellplatz, also fahren wir einen Kilometer dorthin und beraten, was wir nun machen sollen.

Es gäbe ein Abkürzung, die Strasse ist aber 7km so klein, dass sie nicht mal eine Nummer hat und Ausweichen mit unserem Womo liegt da wahrscheinlich nicht drin. Das wären insgesamt 54km auf Nebenstrassen nach Campo, statt den ursprünglich geplanten 20km. Ich rechne mal mit einer Fahrzeit von ca. 2 Stunden für diesen Umweg, also insgesamt 2 ½ Stunden bis zu unserem Ziel. Das ist uns dann aber doch für heute etwas zu weit und zu anstrengend, schliesslich ist es schon 15 Uhr.

Also richten wir uns hier ein, geniessen diesen tollen kostenlosen Stellplatz und beraten dann in Ruhe, wie wir morgen weiter sollen. Wir haben Zeit und keine Termine. Aber wir hatten echt Glück, dass es hier gleich einen Stellplatz hatte, wirklich Schwein gehabt.

Fazit: bisher hat uns die N-230 sehr gut gefallen und wir empfehlen sie wirklich jedem. Mit dem Wohnmobil überhaupt kein Problem, sofern keine Baustellen sind…

Was wird uns Anita heute wohl auf 900m.ü.M. kochen?

Übernachtung

Castejón de Sos - Parking Caravanas****
Stellplatz

kostenlos, inklusive Frischwasser

Koordinaten: 42.51853,0.48529
letzter Besuch: 11.2021

N-260 5.11.2021

Quer durch die Pyrenäen

Bei Sonnenaufgang ist alles mit Raureif überzogen, es sieht aus, als seien wir im Hochwinter unterwegs. Rundherum die hohen verschneiten Berge die sich vom blauen Himmel abzeichnen.

die ersten Sonnenstrahlen

Wir fahren weg, kurz nachdem die ersten Sonnenstrahlen unser Knutschi erreicht haben. Zuerst 14km zurück und dann schauen wir, ob wir diese Abkürzung der Umleitung nehmen können, oder ob wir die gesamten 30 Kilometer zurück müssen.

Beim Abzweiger steht wieder eine grosse Baustellentafel auf spanisch, so dass wir nicht wirklich verstehen, was damit gemeint ist. Aber wir sehen, dass die Abkürzung ganz frisch asphaltiert ist, inklusive Mitteltreifen. Diese Strasse ist anscheinend wegen der Umleitung verbreitert und neu gemacht worden. Kein Problem also, sie ist sogar bis 20t erlaubt, wir haben uns also zu viel Sorgen gemacht.

Es ist wieder eine wunderschöne Fahrt, steil berghoch, dann wieder steil runter. Tipp topp und so sind wir dann nach 30km wieder auf der N-260 Richtung Westen. Zuerst ist sie schön breit, leicht bergauf, leicht bergab. Wir kommen super vorwärts. Irgendwann wird es dann plötzlich wieder eng und unübersichtlich. So sind wir es uns gewohnt… Nach Broto geht es dann wieder auf 1400m.ü.M. hoch durch die Berge bis wir in Sabiñánigo ankommen, wo die N-230 bei KM 520 aufhört. Wir sind insgesamt also 290 Km dieser Bergstrasse entlang der Pyrenäen gefolgt, absolut zu empfehlen.

In Sabiñánigo fahren wir auf den Stellplatz, den wir zur Übernachtung herausgeschrieben haben. Allerdings ist er nicht gerade idyllisch und es ist erst 13 Uhr. Wir schauen uns an und beraten uns. Kurz darauf entschliessen wir, bis nach Arguedas weiterzufahren, eines unserer nächsten Ziele. 170km auf geraden Strassen liegt doch noch locker drin.

Blick zurück

Es läuft gut, mit 100km/h fahren wir Richtung unserem neuen Etappenziel, egal ob Autobahn oder normalen Strassen. Wir sind praktisch alleine auf den Strassen unterwegs, schauen nochmals zu den Pyrenäen zurück, geniessen die Gegend, die von Gerbirgslandschaft zur Wüsteähnlich ändern und freuen uns auf das, was uns morgen erwartet.

fast alleine unterwegs

Stellplatzpsychologie

Wenn ein Stellplatz 16 aufgereihte Plätze hat, fährt das erste Wohnmobil an den Rand. Dort kann ihm niemand die Sicht wegnehmen. Das Zweite fährt entweder in die Mitte oder an den anderen Rand. Jedes Nachfolgende fährt in die grösste Lücke zwischen den schon geparkten Womos. Am Schluss sind sechs Womos parkiert und zwischen jedem Womo sind zwei Plätze frei.

Kommt das siebte Womo (Knutschi) sind 10 Plätze frei, aber wir müssen als erste direkt neben einem andern Womo hinfahren.

Hätte jedes Womo nur einen Platz ausgelassen, stünden 8 Womos auf dem Stellplatz und keines direkt neben dem anderen…

Übernachtung

Arguedas - Area Autocaravanas***
Stellplatz

direkt vor den Lehmhöhlen

Koordinaten: 42.173957,-1.59193
letzter Besuch: 11.2021

Bardenas Reales 6.11.2021

Die Halbwüste mit dem Wohnmobil

Heute erwache ich etwas nervös, denn heute ist der Ort, an den ich unbedingt wollte. Unser erstes grosses Ziel auf der iberischen Halbinsel. Und ich habe nicht allzu viele Infos darüber gefunden, müssen uns also etwas überraschen lassen.

Dieses Biosphären-Reservat ist ab 8 Uhr geöffnet, das Besucherzentrum erst ab 9 Uhr. Und da sich der Stellplatz gestern Abend noch überfüllte und jetzt im November immer noch zu klein ist, rechnen wir mit sehr vielen Besuchern in dieser Halbwüste.

Also um 7 Uhr raus aus den Federn, Knutschi abfahrbereit machen und die ca. 5 km vom Stellplatz zum Besucherzentrum und damit dem Eingang zum Park in Angriff nehmen. Kurz bevor wir zum Eingang kommen, erleben wir den Sonnenaufgang und schiessen die ersten Fotos. Beim Besucherzentrum sind wir kurz nach 8 Uhr, noch alles geschlossen, kein Mensch und kein Fahrzeug weit und breit. Also fahren wir nun alles dem geteerten Strässchen in den Park hinein (es gibt kein Tor oder Schranke oder ähnlich), bis wir vor der Militärstation sind und nun die Wahl haben, links oder rechts auf die Schotterpiste. Diese umrundet die «La Blanca Baja», das Herzstück der Bardenas Reales. Welchen Weg nehmen wir, links oder rechts? Rechts wäre richtig, aber das wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht und entscheiden uns für Links, also im Uhrzeiger rum. Später im Besucherzentrum sagen sie uns, dass man gegen den Uhrzeiger fahren soll…

Cabezo de Castildetierra

Die Schotterpiste ist schottrig und rüttelig, meistens geradeaus durch eine Landschaft, die irgendwo in Amerika sein könnte. Nur die Indianer fehlen. Wir halten alle paar Kilometer, können uns nicht sattsehen und fotografieren in dem fantastischen Morgenlicht die Finger wund. Wir sehen kein einziges Auto oder andere Menschen, sind total alleine.

Rechts ein Gebirge mit den abgeplatteten Spitzen, dann die Felsformationen, die oben breiter sind wie unten, staubtrocken, blauer Himmel; und schottrig. Wir fahren ca. 20km/h, schneller geht es nicht, obwohl wir keine Angst haben müssen, stecken zu bleiben. Den Weg darf man mit dem Fahrzeug nicht verlassen, auch die Lehmhügel darf man weder besteigen noch mit dem MTB befahren. Es ist alles Naturschutzgebiet und das Zentrum wegen des Militärs gesperrt. Die spanische Flugwaffe trainiert hier Zielangriffe mit Betonbomben, die nicht explodieren. Heute haben sie allerdings Trainingsfrei, wir sehen nicht einen einzigen Flieger.

Wir sind begeistert und es steigert sich noch, als wir das Wahrzeichen des Parkes anfahren, den Cabezo de Castildetierra. Eine aufragende Lehmspitze, die dem Park als Logo dient. Noch immer haben wir die gesamte Gegend alleine, können unser Knutschi für Fotos platzieren, wie wir wollen. Einmal von links, dann von rechts. Der Fotoapparat glüht.

Dann geht es weiter, immer der Strasse nach, es holpert und rumpelt, Wüstenfeeling pur! Auch der Wind ist wie in der Wüste, ziemlich stark und sau kalt, es hat ca. 7 Grad, und hin und wieder weht es so ein trockener, runder Stachelbusch über den Weg. Wie beim Filmklassiker, Spiel mir das Lied vom Tod! Genau so sieht es aus, nur dass wir ganz alleine sind.

Es zieht sich, weit vorne die Rumpelpiste. Und dann, nach 23km kommen uns zum ersten Mal fünf Fahrzeuge entgegen, bevor wir es nach 25 km Schotterpiste geschafft haben und wieder bei der Militärstation auf den Teerweg abbiegen.

Sollen wir noch eine Runde machen?

Nein, wir geniessen die Ruhe auf der befestigten Strasse und fahren zum Besucherzentrum zurück. Dort wird uns eine Karte ausgehändigt und erklärt, wo wir durchfahren sollen und in welche Richtung es geht. Der Park ist von 8 Uhr bis eine Stunde vor Sonnenuntergang geöffnet (aktuell im November bis 17 Uhr), man darf die Wege nicht verlassen und auch nicht im Park übernachten. Wir haben also fast alles richtig gemacht.

Es war eine der tollsten Fahrten, die wir bis anhin gefahren sind. Ein Abenteuerfeeling kam aber nicht auf, da wir uns in einem geschützten Bereich aufhielten und nichts passieren kann, man würde also auch gerettet werden, falls man einen Platten hat. Der Faszination brachte dies aber keinen Abbruch (auch wenn in Marokko der Nervenkitzel doch etwas grösser war).

Fazit: diese Tour muss man unbedingt machen und es geht mit dem eigenen Womo problemlos, fals man kein Porzellangeschirr hat.

Es gibt noch andere befahrbare Wege und andere Eingänge in den Naturpark, aber hier ist man im Zentrum und daher wahrscheinlich am faszinierendsten, obwohl wir die anderen Teile nicht gesehen haben und auch nichts darüber sagen können.

Wir fahren zurück auf den inzwischen leeren Stellplatz an Arguedas und sortieren unsere Gedanken. Es ist erst 11:30 Uhr, wie weiter?

Olite

Wir frühstücken zuerst mal ausgiebig und entscheiden uns dann, 50km nach Olite zu fahren. Dort soll es einen Stellplatz nahe im Zentrum des kleinen sehenswerten Städtchens geben.

Wir brauchen keine Stunde, bis wir dort ankommen und das Womo platziert haben. Es sind zu Fuss keine 100m und schon sind wir innerhalb des alten Städtchens und der Fussgängerzone. Die Gässchen sind herrlich eng, der Marktplatz in Zentrum belebt, oval und wunderschön, das Beste aber ist das Stadtschloss: wenn ich ein Schloss zeichnen müsste, würde es genau so aussehen! Runde und eckige Türme, dicke Schlossmauern und zuoberst eine knallrote Fahne! Direkt ans Städtchen angebaut und darum auch endlich mal viele Menschen und Touristen.

Oliete

Es sieht so aus, als ob wir hier dann abends mal schön essen gehen…

Ein weiterer toller Tag in einem tollen Land. Morgen werden wir ins Baskenland fahren, wo alles baskisch angeschrieben ist und man kein Wort mehr versteht. Schon hier heisst das Städtchen Olite auf Baskisch Erriberri. Fast gleich, oder?

Übernachtung

Olite - Area Autocaravanas****
Stellplatz

direkt bei der Altstadt, Ver-/Entsorgung, kostenlos

Koordinaten: 42.48018,-1.64708
letzter Besuch: 11.2021

Puente de Vizcaya 7.11.2021

Unser Knutschi hängt in der Luft

Wir warten auf die Überfahrt

Wieder machen wir uns kurz nach Sonnenaufgang auf den weiteren Weg. Allerdings ist unser erster Stopp schon nach 6km geplant, es gibt hier eine LPG-Tankstelle und da diese in Spanien nicht so weit verbreitet sind, füllen wir unseren Gasvorrat hier auf. Wir müssen aber unser Knutschi an der Tankstelle drehen, denn der Einfüllstutzen ist auf der anderen Seite. Da aber Sonntag morgen nicht viel los ist in Spanien, ist das kein Problem. Wir füllen auch gleich noch Diesel und so sind wir voll beladen, als wir weiter Richtung Bilbao fahren.

Kurz vor Pamplona verpassen wir die Ausfahrt zum römischen Aquädukt de Noáin, also schiesst Anita mit ihrem Handy schnell ein Foto aus dem fahrenden Auto. Die nächste Ausfahrt ist aber doch schon einige Kilometer weiter, darum lohnt es sich nicht mehr, umzudrehen. Das nächste Mal…

Wir kommen weiterhin gut vorwärts und das Baskenland präsentiert sich so, wie ich es von früher im Kopf habe: bergig, grün und regnerisch.

Wir kommen der Stadt Bilbao immer näher und ich bin ziemlich angespannt, wollen wir doch mit unserem Knutschi die Biskaya-Brücke überqueren. Es ist keine normale Brücke, sondern DIE Schwebefähre schlechthin. Es ist die älteste (1893) Schwebefähre der Welt und noch heute eine von nur acht solchen Brücken, die weltweit noch in Betrieb sind. Allerdings fand ich nirgends einen Reisebericht, wo beschrieben war, wie und von wo man diese Brücke mit einem Wohnmobil überqueren kann. Also einfach mal drauflos…

Wir fahren durch Bilbao und nützen den Sonntag aus, ohne Chaos, ohne viel Verkehr geht es heute ganz easy. Im Stadtteil Las Arenas sehen wir die Brücke hoch in den Himmel ragen, allerdings müssen wir zuerst einen Bogen fahren und die Brücke von Süden her anfahren. Gemäss Google-Map ist dort die einzige Wartezone.

Copyright by Javier Mediavilla Ezquibela

Auch hier kommen wir problemlos an, meine Recherchen waren richtig. Wir sehen die hängende Plattform unter der hohen Eisenkonstruktion gerade auf die andere Seite abschweben und wir können direkt als erstes Auto auf der Wartespur anhalten. Ich steige aus, sehe rechts einen Automaten beschriftet in Baskisch und Spanisch, ich verstehe aber gar nix. Allerdings kann ich die Ziffern entziffern und klicke beim 1 auf den Bus, beim 2 werfe ich Geld ein, beim 3 kommt mein Ticket raus, und beim 4 das Wechselgeld. Ich halte ein Ticket für 2.60 € in den Händen, als ich schon wieder die Plattform auf unsere Seite zuschweben sehe. Also zurück zum Womo. 30 Sekunden später dürfen wir schon unter der Stahlkonstruktion auf diese Plattform fahren. Kaum sind wir drauf, setzt sie sich schon in Bewegung und eine Billettkontrolleurin klopft ans Fenster. Ich muss noch 90 Cent für Anita nachzahlen, in den 2.60 war nur das Fahrzeug und der Fahrer inbegriffen.

Kaum ist bezahlt, sind wir schon über die Mitte des Nérvion geschwebt und wir müssen uns schon auf die Ausfahrt vorbereiten. Alles geht eigentlich viel zu schnell und zu reibungslos und schon sind wir in Portugalete wieder mit festen Boden unter den Rädern.

Das erste Mal, dass unser Knutschi in der Luft hing, aber alles war viel zu schnell vorbei. Geniessen konnten wir es nur ganz kurze Zeit. Jetzt überlegen wir schon, ob wir die Brücke auch noch zu Fuss mit dem Aufzug und dann oben auf der Stahlkontruktion überqueren sollen.

Aber zuerst geht es durch die Stadt zu dem uns empfohlenen Stellplatz hoch darüber. Wir haben von da einen sensationellen Ausblick über einen grossen Teil von Bilbao.

Was machen wir mit dem angebrochenen Nachmittag? Runter, die Stadt besichtigen?

Wir besichtigen das berühmte Guggenheim Museum, das Fussballstadion San Mamés (Atletice Bilbao engagiert nur Baskische Fussballer aus der Region, spielt in der obersten spanischen Liga und stieg noch nie ab, obwohl sie den Transferwahnsinn der Fussballgladiatoren nicht mitmacht. Ich bin ab sofort Fan dieses Teams), dann sehen wir uns die Pedro Arrupe Zubia an und die Altstadt. Nach 10 Minuten haben wir alles gesehen und legen den Feldstecher zu Seite…

Jetzt warten wir zufrieden auf die Nacht, wo wir dann auf die beleuchtete Stadt runterschauen dürfen.

Übernachtung

Bilbao - Kobetamendi****
Stellplatz

15€ inklusive allem, tolle Sicht auf die Stadt

Koordinaten: 43.25993,-2.963936
letzter Besuch: 11.2021

Gaztelugatxe 8.11.2021

Wir kommen ans Meer

Wir haben morgens keine Eile, ich arbeite noch ein wenig, Anita geniesst die Aussicht auf Bilbao hinab. Dann vor dem Mittag nehmen wir die heutigen 40km in Angriff. Wir kommen wieder sehr gut durch Bilbao, und überhaupt, mit dem Strassenverkehr haben wir bis anhin in Spanien absolut keine Probleme. Die Spanier fahren sehr zivilisiert und allzu viel Verkehr hatten wir bisher noch nirgends.

So kommen wir gut in unserem Tagesziel in Bakio an und sehen nun das erste Mal seit wir unterwegs sind, das Meer. Alles ging heute so reibungslos, dass wir gleich entscheiden, auch noch drei Kilometer weiter zur Klosterinsel Gaztelugatxe weiter zu fahren. Dort finden wir schon einen Parkplatz und sparen uns so den Spaziergang. Aber weit gefehlt, auf allen Parkplätzen prangt ein grosses Womofahrverbot und der einzige legale Parkplatz für uns ist so klein, dass wir unser Knutschi nicht darauf abstellen können. Also fahren wir 2km weiter zu einer Aussichtsplattform. Dort prangt kein Womoverbot, aber die Aussicht ist nun auch nicht so gewaltig, dass man unbedingt hier gewesen sein muss. Also kehren wir um und fahren in Bakio auf den Womostellplatz, wenigstens bis zu Schranke. Wir müssen da zuerst ein App runterladen, dann einen SMS-Code abwarten, um die Telefonnummer zu bestätigen, dann die Kreditkarte in der App hinterlegen und eine Zahlung von 1 Rappen machen, um auch die Kreditkarte zu bestätigen. Nun müssen wir einen Platz in der App reservieren und dann in der App irgendwo auf den richtigen Knopf drücken, und die Schranke öffnet sich via Bluetooth. Und das alles auf Spanisch, Baskisch, Katalonisch, Französisch oder Englisch. Nicht ganz einfach, aber nach 10 Minuten haben wir es dann doch geschafft und die Schranke steht offen vor uns. Der Platz ist etwas schräg, dafür sind wir die einzigen und hören das nahe Meer rauschen.

unser Spazierweg

Ich packe unseren neuen Fotorucksack, ziehen Turnschuhe an und wir laufen die ca. 3km dem Meer entlang zu der Klosterinsel. Es ist toll, das Meer zu sehen, zu schmecken und zu hören. Der Spaziergang gefällt uns sehr gut, auch wenn es viel und steil den Berg hochgeht. Aber nach ¾ Stunden haben wir es geschafft. Es läuft nicht viel an diesem Touristenort, die Parkplätze sind leer und nur ganz wenige andere Touristen schlendern herum.

Dann geht es steil den Fussweg hinunter zu einer Aussichtsplattform. Es sieht wirklich toll aus und wir können jeweils etwas warten, bis sich die Wolken vor der Sonne verzogen haben und die Insel schön beschienen wird.

Dann nehmen wir den Resten des Abstiegs unter die Füsse, bis uns ein grosses Gitter den Weg versperrt. Mist, die Insel ist geschlossen, Bauarbeiter machen irgend etwas am Weg vor der Brücke. Schade, dass wir da nicht über die Brücke laufen dürfen, aber dafür können wir viele Fotos machen, ohne dass auch nur eine Person auf dem Bild ist. Im Sommer undenkbar!

Nach einiger Zeit nehmen wir den Rückweg wieder in Angriff. Wir könnten auch mit dem Bus fahren, ziehen aber den Spaziergang eindeutig vor.

fantastisch, oder?

Kurz vor der Ortschaft biegen wir zum Sandstrand ab und laufen endlich auf einem feinen Sandstrand dem Meer entlang. Einige Surfer versuchen in den Wellen des Atlantiks ihr Glück. Ob das Wasser nicht etwas gar kalt ist? Wir testen es aber nichts, zweigen in der Ortschaft wieder auf die Strasse ab und kaufen in einem kleinen Lebensmittelgeschäft noch ein. Bakio hat wohl schon bessere Zeiten wie heute erlebt, es ist nicht gerade der luxuriöseste Badeort am Atlantik, und jetzt im November sieht es zum Teil schon grad etwas heruntergekommen aus. Und los ist absolut nix.

Macht uns aber nichts aus, auch wenn wir heute wohl selber kochen müssen. Ein Restaurant, das geöffnet hat, sehen wir nämlich nirgends.

Als wir dann endlich wieder beim Womo sind, sind wir schon etwas müde, so viel gelaufen sind wir schon längere Zeit nicht mehr. Also machen wir uns einen kleinen Apero mit feinem Olivenöl, gekauften Gewürzen und frischem Brot. Einfach lecker!

Übernachtung

Bakio - Aparkalekua***
Stellplatz

etwas schräg, Zugang nur mit einer App

Koordinaten: 43.42776,-2.8042180
letzter Besuch: 11.2021

La Ojerada 9.11.2021

Leuchtturm und Felsenfenster

Morgens beim Ver- und Entsorgen können wir das Wasser via gestern installiertem App laufen lassen, auch die Schranke öffnet sich via App und wir sind wieder in Freiheit und fahren Richtung Westen. Zuerst müssen wir aber wieder zurück durch Bilbao. Auch dieses Mal geht es reibungslos und wir kommen problemlos durch.

Das Navi führt uns dem Meer entlang, bis wir dann auf kleiner werdenden Strassen und Strässchen Richtung Ajo geleitet werden. Den anvisierten Parkplatz hoch über dem Meer finden wir problemlos, auch wenn wir echt froh sind, dass uns auf den letzten 500m kein anderes Auto mehr entgegen kommt.

Es ist herrlich hier, auf drei Seiten sehen wir das Meer und es wird noch fantastischer, als wir auf den Felsen ganz raus zu den Klippen laufen. Zwei riesige Felsenfenster, Höhlen, die hinten auch einen Ausgang haben, finden wir da hoch über dem Meer. Total faszinierend! Anita und ich klettern, entdecken und laufen noch viele Höhlen und Durchgänge mehr, einige sind 50m tief, bevor sie wieder ans Tageslicht kommen. Die Felsformationen sind wirklich gewaltig!

Hin und wieder kommen einzelne andere Touristen oder Einheimische, die hier kurz eine Pause machen und diesen Ort geniessen. Und wir entschliessen uns, heute nicht mehr weiter zu fahren und die Nacht hier zu verbringen.

Am Nachmittag laufen wir dann einen Kilometer der Küste entlang auf dem Extremo septentrional de Cantabria zum Faro de Ajo, dem Leuchtturm von Ajo. Der Weg führt hoch über der Küste nahe am Abgrund vorbei (nichts für Familien mit kleinen Kindern) bevor wir dann vor dem bunt bemalten Leuchtturm stehen. So einen habe ich nun wirklich noch nie gesehen!

Es ist aber wunderschön hier und total einsam. Wir geniessen die Stille, den Spaziergang und das Meer. Etwas später kraxeln wir nochmals auf den Felsen herum, bevor wir nun das tolle Abendrot, den Leuchtturm am Horizont und die totale Ruhe geniessen.

Ein wirklich magischer und schöner Ort.

Morgenspaziergang

Morgens laufe ich die 300m ins Lebensmittelgeschäft, um frisches Brot zu kaufen. Auf dem Hinweg sehe ich, dass Gemeindearbeiter beim Parkplatz die Höhenbeschränkung abmontieren. Wenn das kein gutes Zeichen ist. Nach dem Einkauf auf dem Heimweg merke ich, dass ich für Womotouristen genau die richtige Bekleidung trage. Ich trage den schwarzen Hoody von Wohnmobilland Schweiz mit dem Logo; jeder im Laden sieht, dass ich ein Wohnmobilist aus dem Ausland bin und so auf dem Stellplatz übernachte. Ich muss mich also nicht mal zu erkennen geben und die Ladenbesitzer wissen, dass sie von den Wohnmobilisten profitieren. Wohnmobilland Schweiz hat also genau das richtige Logo…

Etwas weiter vorne sehe ich aber einen VW California mit Markise auf dem Parkplatz stehen, obwohl ein grosses Schild die Womos auf diesem Platz verbietet. Sorry, das finde ich nun einfach rotzfrech, schliesslich ist der Stellplatz nur gerade 100m weiter. Solche Touristen machen es den verantwortungsbewussten Womofahrern einfach immer schwerer. Leider ist grad niemand da, sonst hätte ich ihn da angesprochen.

Übernachtung

Ajo - La Ojerada****
frei

Parkplatz mit toller Meersicht, nicht ganz eben

Koordinaten: 43.511829,-3.583896
letzter Besuch: 11.2021

Der Schnorchel des Waals 10.11.2021

Dem Kantabrischen Meer entlang nach Tapia

Tapia

Ich will heute unbedingt den Sonnenaufgang fotografieren, denn aus der Höhlen muss das auf diesem Kap wunderschön aussehen. Und eilig muss ich es auch nicht haben, laut App schaut die Sonne erst um 8 Uhr hinter dem Horizont hervor.

Während Anita sich nochmals dreht, spaziere ich um halb acht im Halbdunkeln los zur Höhle. Es sieht alles etwas unheimlich aus, aber wunderschön. Plötzlich ein ohrenbetäubender Krach, ich fahre zusammen und denke nur noch, raus hier, bevor alles zusammenkracht. Mir steckt der Schreck noch richtig in den Gliedern, als es schon wieder extrem laut donnert. Ich merke, dass es irgend etwas mit den Wellen zu tun haben muss und mache mich auf die Nachforschung. 10 Minuten später kenne ich den Grund des unregelmässigen Lärms. Wenn unten am Meer eine grosse Welle in eine gewisse Höhle peitscht, ist die Höhle verschlossen und die Luft wird innen komprimiert. Zum einen jagt es dann wie bei einem Wal eine riesiges Luftwassergemisch 15m weit ins Meer zurück, zum andern presst es durch ein 20cm grosses Loch oben mitten in «meiner» Höhle Luft mit enormen Druck und riesigem Lärm aus diesem Schnorchel. Es ist richtig unheimlich, den Kopf getraue ich mich nicht darüber zu halten, zum Einen hätte ich meine Haare in 3 Sekunden geföhnt, zum Anderen aber wahrscheinlich ein Glatze…

Das Loch ist in der Höhle von oben herab auf der rechten Seite und das Phänomen wird schätzungsweise kurz vor dem Höchststand der Flut aktiviert.

Durch diese bannbrechende Entdeckung und das Zeigen derjenigen Anita’s, verpassen wir fast den Sonnenaufgang. Bilder sagen mehr als 1000 Worte

Wir sind immer noch Baff von dieser Entdeckung als wir weiterfahren. Wir müssen heute etwas Kilometer machen, sonst kommen wir nie rund um die iberische Halbinsel. Geplant sind 300.

Es geht auf der Autobahn A8 über 100 Viadukte an Gijon vorbei, rechts das Meer, links die Berge. Die A8 ist Maut frei, wie alle Autobahnen mit einem A. Bezahlen muss man nur diejenigen, die die Bezeichnung AP haben...

Nach dem Mittag fahren wir auf den Stellplatz in Tapia mit Blick aufs Meer. Sofort packen wir unsere Schuhe und machen nach der langen Fahrt einen Spaziergang ans Meer. Eine wunderschöne Bucht mit einem noch schöneren Hafenörtchen und einer noch schöneren geöffneten Bar, wo man draussen sitzen kann. Und endlich auch mal etwas zu Trinken bekommt…

Wir geniessen es an der Sonne, haben keine Eile mehr und lassen das Leben der Einheimischen auf uns einwirken. Ferien pur!

Wir besichtigen auch die Leuchtturm-Insel und die Hafenanlagen, wo gerade ein Fischer mit seinem Fang vom Meer heim kommt. Einfach idyllisch bei allerschönstem Wetter und ca. 16 Grad. Nicht gerade warm, aber was will man im November im Norden mehr?

Auf dem Rückweg gehen wir dann noch einkaufen und schlendern zu unserem Womo zurück. Insgesamt sind wir hier fünf Womos, zwei Schweizer, ein Österreicher, Engländer und Spanier.

Wir haben nun die Nordküste fast geschafft und können die jedem empfehlen. Bald geht es Richtung Portugal und Süden.

Übernachtung

Tapia - Area de Autocravanas***
Stellplatz

direkte Meersicht, kleine Plätze, 4€

Koordinaten: 43.56639,-6.946285
letzter Besuch: 11.2021

Strand der Kathedralen 11.11.2021

Wie geil ist dass denn!

Als wir morgens aufstehen, wissen wir noch nicht, was für ein toller Tag uns erwartet. Zuerst klingelt das Telefon, als wir noch unter der Bettdecke stecken und dann ist zuerst einmal Arbeiten angesagt. Ich muss noch die wichtigsten Arbeiten erledigen und Anita macht im Knutschi den Haushalt.

Wir haben es noch nicht eilig, denn wir wollen 20km weiter der Strand der Kathedralen anschauen (Danke Mariann für den Tipp, der war Gold wert!!) und das geht nur bei Ebbe. Heute also von ca. 15 bis 19 Uhr.

Also fahren wir dann doch gegen Mittag los 7 km nach Ribadeo. Dort gibt es einen Beeb-Shop (es sollen die kompetentesten sein betreffend Internet und Pre-Paid) um doch noch eine spanische Mobile Datenkarte für unsere Internetverbindung zu kaufen. In der Nähe hat es einen grossen Parkplatz und nach zwei Minuten stehen wir im Shop und erklären dem Spanier, was wir wollen. Dann geht es ratzfatz, keine 10 Minuten später haben wir eine Datenkarte von simyo für 25GB und 9€ gekauft, der nette Herr hat es uns gleich eingerichtet und nach einem Neustart läuft alles schon perfekt auf dem Handy von Anita. Wenn wir gewusst hätten, wie schnell, einfach und günstig das geht, hätten wir das schon längst gemacht. Jetzt hat also Anita auch Daten und muss nicht über meinen Hotspot ins Internet.

Weil das alles so schnell geht, fahren wir natürlich viel zu früh auf den Parkplatz der Playa de les Catedrales. Wir staunen, dass es doch einige Besucher hat und etwa 10 Womos hier stehen, das sind wir uns gar nicht mehr gewohnt. Aber dieser Strand ist wohl der Berühmteste von ganz Spanien, im Sommer gibt es Zutrittsbeschränkungen und nur mit Vorreservation darf man den Strand betreten. Jetzt im November ist das alles ausser Kraft gesetzt und jeder darf ans Wasser.

Playa de les Catedrales

Es ist eine gewaltige Kulisse, die uns hier erwartet. Felstürme, Felstore und brandendes Meer. Da wir noch etwas zu früh dran sind und die Ebbe noch nicht den tiefsten Stand erreicht hat, sind wir beim zweiten Felsenvorsprung blockiert. Die Ebbe will aber noch nicht so recht eintreffen und zwischen zwei grossen Wellen setzen wir zum Sprint an und retten uns auf einen Felsen. Dieser Felsen dient andern Touristen auch als sicherer Hafen, aber es schaffen nicht alle ganz trocken bis dahin. Immer wieder hört man einzelne Schreie, als wieder jemand von einer Welle überrascht wird und bis zum Knöchel Nass ist.

Ab hier wird es dann etwas Tricky, wir warten etwa 5 Minuten, bis wir uns weiter wagen und unser Weg halbwegs trocken ist. In der nächsten Bucht sind wir dann nur noch ca, 10 Leute, die es bis hierhin schafften. Jetzt versperrt uns aber ein ca. 50cm tiefer Wassergraben das Weiterkommen.

Anita und ich betreten eine der Felshöhlen, um einige Fotos zu machen, sehen aber ca. 20m im Fels innen einen Sonnenstrahl. Die Höhle muss also irgendwo einen Ausgang haben. Wir müssen wieder etwas warten, bis das Wasser darin abgeflossen ist, bis wir uns dann etwas weiter vorwagen und tatsächlich einen Ausgang sehen. Jetzt darf einfach keine hohe Wellen kommen…

rein in die Höhle

Wir schaffen es so durch den Fels tatsächlich in die dritte Bucht, wo vorerst aber Endstation ist. Wir beobachten 10 Minuten lang diese kleine Bucht und wissen, ganz trocken schaffen wir es nicht zum nächsten Felsen. Ein Fotograf mit Fischerstiefeln bis zur Brust ist bei diesen Felsen aber schon die längste Zeit am Knipsen. Ist dort der Ort mit den Bögen der Kathedrale?

Einzige Lösung: jetzt müssen die Turnschuhe und Socken weg, Hosen bis übers Knie hinaufgerädelt und einen guten Moment wartend. Dann sprinte ich los und rette mich auf einen kleinen Felsen, auf einem Stein. Neben mir steht nur noch Uwe, der einzige, der es ausser mir auch noch bis hierhin geschafft hatte. Anita blieb zurück, ihr ist das Wasser barfuss zu kalt.

Uwe und ich müssen sicher 5 Minuten warten, bis wir wieder etwas weiter können und dann tatsächlich vor diesen Kathedralen-Bögen stehen. Ich höre Uwe immer wieder sagen «Wie geil ist das denn!!» Auch dann, als eine grössere Welle kommt und den kleineren Stein von Uwe bis zu den Knien überspült und er nun auch Nass ist. Zum Glück war mein Stein etwas höher.

Es ist ein unglaublicher Ort, auch weil er nicht ganz einfach zu erreichen ist bei diesem hohen Wellengang von heute.

Uwe und ich werden für kurze Zeit Freunde, finden es einfach toll. Wir sind mit dem einheimischen Fotografen nur zu dritt, die es bis hierhin geschaffen haben. Auf dem Rückweg sammle ich Anita und meine Schuhe wieder ein, zeige Uwe die sichere Abkürzung durch die Höhle und wir kommen dann wieder in der ersten Bucht an, wo alle anderen Touristen stecken geblieben sind.

Anita war übrigens die einzige, die die Schuhe nicht ausgezogen hat und ganz trocken blieb. Auch die Welle, die uns kurz vor Schluss überrascht hat und eine ganzen Haufen Touristen platschnass machte, konnte sie intelligent umlaufen.

Zwei Touristen waren übrigens bis zu den Schultern nass und 90% der andern hatten nasse Schuhe.

Wieder bei unserem Womo schauen wir uns gegenseitig an und sagen «Wie geil war das denn!!»

am nördlichsten Punkt Spaniens

Dann fahren wir 63km weiter zum nördlichsten Punkt Spaniens, dem Leuchtturm Faro da Estaca de Bares. Als wir 100m vor dem Leuchtturm hoch über dem Meer unser Knutschi parken, weit und breit keine Menschenseele sehen, einen Wahnsinns Ausblick auf die untergehende Sonne haben, gibt es nur eines: Wie geil ist das denn!

Wie geil war das denn!

Übernachtung

Bares - Faro da Estaca de Bares*****
frei

toller Blick aufs Meer und Leuchtturm

Koordinaten: 43.78480,-7.684569
letzter Besuch: 11.2021

Reisestrecken

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